Die Fußballverbände Englands (FA) und Wales' haben am Donnerstag erklärt, den amtierenden FIFA-Präsidenten Gianni Infantino bei seiner angestrebten Wiederwahl im kommenden Jahr nicht öffentlich zu unterstützen. Diese Entscheidung markiert eine Abkehr von der traditionellen Praxis einiger europäischer Verbände, sich frühzeitig zu einer Kandidatur zu äußern, und folgt auf eine Periode erhöhter Kritik an der FIFA und ihrer Führung.
Infantino, der seit 2016 an der Spitze des Weltfußballverbandes steht, bewirbt sich um eine dritte Amtszeit. Die Wahl findet im März 2023 in Kigali, Ruanda, statt. Trotz der fehlenden Unterstützung aus England und Wales gilt Infantino weiterhin als Favorit, da er voraussichtlich die Unterstützung eines Großteils der anderen 209 Mitgliedsverbände der FIFA erhalten wird.
Die britischen Verbände haben ihre Entscheidung nicht detailliert begründet, doch kommt sie inmitten anhaltender Debatten über Menschenrechte, insbesondere im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft in Katar, und die Governance-Strukturen innerhalb der FIFA. Die Kritik an der Vergabe von Großereignissen und der Behandlung von Arbeitnehmern in den Austragungsländern hat international zugenommen und setzt auch europäische Verbände unter Druck, ihre Haltung zu überdenken.
Für deutsche Fußballfans und die deutsche Automobilindustrie, die traditionell stark im Sportsponsoring engagiert ist, könnten solche Entwicklungen langfristige Implikationen haben. Eine kritischere Haltung großer europäischer Verbände gegenüber der FIFA könnte zu einer Neubewertung von Partnerschaften und Sponsoring-Engagements führen, sollte der Ruf der Dachorganisation weiter leiden. Dies könnte Unternehmen dazu veranlassen, ihre Marketingstrategien anzupassen und ethische Gesichtspunkte stärker in den Vordergrund zu rücken.
Die Entscheidung von England und Wales könnte als Signal an andere europäische Verbände interpretiert werden, eine ähnliche, zurückhaltendere Haltung einzunehmen. Ob dies zu einer breiteren Bewegung gegen Infantino führt oder lediglich eine symbolische Geste bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Bislang haben keine weiteren europäischen Top-Nationen eine explizite Distanzierung von Infantinos Kandidatur bekannt gegeben.
Die FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2023 wird somit ein Gradmesser dafür sein, wie die globalen Fußballverbände die aktuelle Führung bewerten. Die Rolle Europas in diesem Kontext, insbesondere die der DAX-Unternehmen und anderer großer Sponsoren, bleibt ein entscheidender Faktor für die zukünftige Ausrichtung und Legitimität der FIFA.
Es bleibt abzuwarten, ob die ausbleibende Unterstützung aus England und Wales weitere Verbände dazu motivieren wird, ihre Position zu Gianni Infantino und seiner Wiederwahl vor der Abstimmung im März 2023 zu überdenken. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich eine breitere Oppositionsfront formiert oder ob Infantino seine Position festigen kann.

